Rolex ist mit Hilfe der Tochtermarke Tudor gewissermaßen gelungen, wurde unter einer perfektionierten Markenspreizung verstanden. Denn die Rolex eigenen Sportmodelle, allesamt Ikonen, sind preisgünstig geworden und ihre Preise haben sich in 10 Jahren verdoppelt. Zugegeben, nur im Zuge von tiefgreifenden Innovationen ohne jedoch die Substanz zu verändern.
Für Experimente eigene sich die Ikonen Submariner oder GMT Master oder auch Explorer und Daytona ohnehin nicht. Zum Gebrauch als robuste Toolwatch, zu Preisen von 8.000 Euro oder mehr, sind die Sportmodelle (Einstieg mit Rolex Submariner ohne Datum ab 6.800 Euro) ein wenig zu schade, auch wenn sie überaus große Nehmer-Eigenschaften besitzen. Da liegt es nahe, bei der Suche nach der eigenen Identität im Hause Tudor. Sozusagen das Projekt-Toolwatch, für die Kunden, denen eine Rolex Submariner (40mm) zu klein, zu kostbar oder zu hochwertig für den echten Taucheinsatz ist. Außerdem benutzt Rolex für seine Oyster-Gehäuse.
Betrachten wir die Modellinien und deren jeweiligen Preis-Bereich in den unteren Preiskategorien von 3.000, bis sagen wir 6.000 Euro, entsteht Platz. Das wissen auch Hersteller wie Rolex und so fließt das gesammelte Knowhow in ein neues kerniges Sportmodell aus Titan der Tochter Tudor. In der Pelagos Taucheruhr mit Keramik Lünette und innovativem Verschlusssystem.
Die aktuellen ETA-Uhrwerken der letzten gekauften ETA-Uhrwerken der unteren Preiskategorien und der direkten Preisangaben zu den etablierten Marken wie TAG Heuer, IWC und Breitling. Mit eigenem Manufakturwerk sogar zu OMEGA. Doch die Frage ist: "Ist die aktuelle TUDOR Pelagos damit auch eine Alternative?"
Während der Preisunterschied des Titan-Einsatzes beim Material, etwa beim Omega Seamaster 300 Titan (7400 Euro), im Vergleich zum Stahlmodell mit seinen 2000 Euro zu Buche schlägt, gibt es auch nur die 1,1 mm größeren Pelagos mit 4.110 Euro preisbewusst und sogar noch 1300 Euro unter dem fälligen Betrag für eine Seamaster 300 aus Stahl (5400 Euro). Verzichtet aber nicht auf eine Keramik Lünette, bietet ein Manufakturkaliber und ein Magnetfeld resistente Siliciumspirale, ebenso wie ein Heliumventil und punktiert mit einer lumineszierenden Lünetteneinteilung und einem innovativen, selbstregulierendem Verschlusssystem.
Die nachtleuchtende Lünetteneinteilung ist übrigens ein wunderbares Lichtschauspiel. Welches dazu führt, die Uhr auch nachts nicht mehr wollen. Die Leuchtmasse befindet sich nicht an einer exponierten Stelle, wie einige meiner Kollegen vor mir anmerkten. Die Leuchtmasse ist tatsächlich in die Lünette eingelassen. Dies kann man mit einem Lineal gut sichtbar werden lassen. Wie das mit der Leuchtmasse genau umgesetzt wird, habe ich noch nicht herausfinden können. Einen möglichen Hinweis, zu einer Keramikmischung mit Leuchtpartikeln, habe ich von einem anderen Uhrenhersteller bekommen.
Warum man aber einen Stahlboden bei einer Titanuhr verwendet, ist nicht ganz schlüssig. Einziger Grund der mir einfällt, den Preis im Verhältnis zu anderen Modellen. Mit 4.110 Euro für eine Titanuhr, kratzfester Keramiklünette und nagelneuem Manufakturwerk wirklich ein gutes Angebot. Zumal die Uhr mindestens gefühlt von Rolex stammt. Eine Ähnlichkeit zur Submariner gibt es auch auf dem Zifferblatt zu sehen. Der Text wurde vor kurzem erweitert und
Der 100 Tage Praxistest
Die Tudor Pelagos wurde auch, wie immer bei unseren Tests, und nur allenthalben herausgenommen, sondern ganz normal tagtäglich getragen. Sie wurde unter der Dusche mitgewaschen wie beim Anziehen versehntlich fallen gelassen. Ja, eine riesen Aufregung, weil das mit einer Faltschließe nicht vorkommen sollte. Ist aber passiert und gerade noch mal gut gegangen. Der Aufprall auf Linoleum hat glücklicherweise nur kleine Spuren hinterlassen. Ein Schließbügel konnte mit dem geringem Aufwand erreicht werden. Das Ganze hat natürlich unfreiwillig eine gewisse Aussagekraft zur Alltagstauglichkeit und zum Gangverhalten, wie sie später noch sehen werden. Auch hinter der Pelagos liegen 100 nicht ganz stressfreie Tage.
In Sachen Verschleiß
kann der Tudor bis zu einer Ausnahme viele Komplimente machen. Eine sehr geringe Verschleißanfälligkeit an Gehäuse, Armband und Manufakturwerk. Da leiert nix aus oder hat großes Spiel. Alles ist wie es sein soll. Nun zur Ausnahme: Das Titan Armband reibt immer wieder an die Stahl-Faltschließe und das gibt hässliche Spuren. (2. Foto)
Bei Tudor fällt das Titan nur leicht dunkler aus als Stahl. Der Unterschied zu Stahl bemerkt man kaum und die Pelagos scheint unempfindlich gegen Kratzer. Eigentlich gibt es nicht mehr Spuren an einer Stahluhr. Die Lünette ist aus Keramik und hat in den 100 Tagen einige Ernstfälle und sogar einen Extremfall erlebt. Davon ist aber wenig zu sehen. Wohl auch weil der Rand aus Titan und das Safirglas etwas überstehen wird, wird die Keramikeinlage so nur schwer getroffen.
An der Verarbeitung
Tests anderer Luxusuhren, nur eine gewisse Scharfkantigkeit an manchen Stellen bemängeln. Hier im Bild rund um die Krone. Da diese innen liegen, merkt man davon als Nutzer nichts.
Die Krone selbst, fasst sich beim Aufschrauben etwas rau und schmeichelt nicht. Unter der Lupe betrachtet, ist sie nicht sonderlich liebevoll oder aufwendig bearbeitet. Es ist außerdem das erste Mal, dass ich einen Kronenschutz als störend empfinde. Zum Glück muss man das bei der Pelagos nicht oft machen. Sie läuft sehr genau und benötigt kaum eine Korrektur.
Insgesamt ist die Uhr sehr solide verarbeitet und es gibt keine Mängel. Als keinen echten Mangel Index. (Foto). Diese Option ist für meine Bewertung von einem subjektiven Wohnsitz bestimmt, und ein Anderer würde sagen: "In dieser Preisklasse ist das inakzeptabel".
Die Geräuschentwicklung
Von Manufakturwerk und Automatikaufzug ist im Gebrauch nichts zu hören. Das kann man ändern die Uhr auf ein Regal in der Nähe der Schlafstätte legt. Das helle Klingen der Hemmungsbauteile hat eine verdächtige hohe Ähnlichkeit mit einem Rolex-Werks. Selbst im Handaufzugmodus über die etwas zäh aufzuschraubende, aber dann leicht bedienbare Krone kann ich nur äusserst geringe Geräusche wahrnehmen. 40 Umdrehungen voll aufgezogen, ertönt ein feines Klicken und man hört die Uhr schon direkt an das Ohr und hält die Uhr fest. Alles sehr passend zum hochwertigen Gesamteindruck.
Die Ausstattung
dieser Taucheruhr ist effektiv, hochwertig sowie solide. Die Verbindung von Titan mit kratzfester Keramiklünette und mit Leuchtmasse ist ein sehr gutes Angebot.
Highlight an der Schließe sind die federnd gelagerten Kügelchen zur Rastung des Faltschließenbügels. Das ist wirklich gut gemacht und wirkt sehr hochwertig. Die Faltschließe ist leider nicht so gut wie der Gehäuseboden. Das macht sie für Menschen mit Nickelallergie oder ihre Nickel willen als Zielgruppe unbrauchbar.
Für Profitaucher jedoch ist sie dennoch perfekt. Sie können die Sicherheit nicht ändern, wenn Sie eine anpassende Armbandverlängerung haben. Sehen Sie selbst wie das funktioniert:
Der Gangtest über die gesamte Reserve von 70h
Sie haben schon ein paar Schritte vor dem Unfall mit dem Pelagos gemacht, um die Uhr konstant zu halten. Seit dem Unfall läuft sie noch besser. Dennoch ist das Ergebnis die Uhr gefallen zu lassen. Es könnte schließlich auch ein Schaden entstanden sein. Um ganz sicher zu sein, habe ich die Uhr auf Dichtheit und per Zeitwaage überprüfen lassen: Alles in Ordnung.
Das Uhrwerk wurde COSC zertifiziert und garantiert Genauigkeit. Schauen wir uns an, wie die Tudor im "Standby Modus" nach den ersten 100 Tagen meistert:
Pünktlich am Freitag um 16.00 Uhr wird die Funkuhr abgestimmt und mit Vollaufzug abgelegt. Zifferblatt wieder nach oben. Heute warten wir nur 6 Stunden bis zum ersten Abgleich. Um 22.00 Uhr abgelesen, beträgt der Vorgang am Freitagabend +1 Sekunde. Nächste Messung 12 Stunden später, Samstag 10.00 Uhr und die Pelagos zeigt sich mit einem Vorgang von +3 Sekunden. Um 22.00 Uhr sind es zur Referenzzeit immer noch +3 Sekunden. Diesen Wert von +3 Sekunden hält sie den gesamten Sonntag bei beiden Messungen um 10.00 und um 22.00 Uhr, ja sogar am Montag Morgen um 10.00 Uhr konstant.
Daraus kann man sogar ableiten, dass die Tudor in diesem breiten Aufzugsstatus praktisch keine Abweichung zeigt. Wohlgemerkt im abgelegten Zustand.
Erst um 14.00 Uhr am Montag, nach 70 Stunden, werden + 1Sekunde abgelesen. Das ist ein Spitzenwert! Das schaffen nur wenige Uhren. Nach dem Zielgeraden um 16.00 Uhr sind es immer noch -1 Sekunden und jetzt bin ich gespannt wie lange das Tudor Werk noch durchhält. Am Montag Nachmittag um 16:03 und 53 Sekunden Schluss. Genau nach 72 Stunden, 3 Minuten und 53 Sekunden hat sich das letzte aus der Reserve herausgeholt und bleibt stehen.
Auch im Ergebnis eine Übererfüllung der Gangreserve von vollen 2 Stunden. Außerdem liefert es echte Spitzenwerte in der Gangstabilität über eine lange Spanne.
Das persönliche Tragegefühl
ist in seiner Robustheit und mit dem Gewicht von 146g gut und angenehm. Das leicht größere Gehäuse, als jenes eines Submariner, wirkt sehr positiv aus und man empfindet die Maße mit 42,5mm im Durchmesser als sehr passend. Dabei ist es Ihnen nicht schwer, einen Rolex mit Diamantschliff, polierten Flächen und glänzender Keramik zu gestalten. Dass ist im Grunde der größte Nachteil der Uhr. Blau und Weiß von sich reden und fällt damit auf.
Dennoch wird man auf diesen Underdog kaum angesprochen. Den Investitionsbetrag von 4.110 Euro sieht man ihr nicht an. Dafür fehlen einfach Verzierungen und Schmuckelemente wie bestimmte Schliffe oder Polierungen.
Der Insider sieht in den Formen und der Ausführung im Detail aber sehr wohl die Ähnlichkeiten zu einem Oystergehäuse und zu einem Oysterband. Zur Zeit ist das Tudor preislich gerade noch die passende Uhr für das sportliche Understatement im Job und um auf den Nachhauseweg kurzentschlossen zum See abzubiegen.
Ein Zusatznutzen
wäre die leichte Austauschbarkeit des Armbandes gewesen. Hierfür liegt zwar ein Kautschukarmband sowie ein zusätzliches Verlängerungsband bei, jedoch kein Bandwechselwerkzeug. Ohne ein Werkzeug, welches beide Seiten des Federstegs gleichzeitig zusammendrückt. Das Band ist einfach zu passgenau gearbeitet. Zu schnell ist man abgerutscht und hat üble Macken am Gehäuse verursacht. Der Kunde ist auch gezwungen, auf jeden Wechselwusch anzuziehen oder sich ein geeignetes Federstegwerkzeug anzuschaffen. In der Kategorie "Zusatznutzen" gibt es daher zur Pelagos leider keinen Punkt.
Die Bedienbarkeit
In einschlägigen Tauchtests mit Neoprenanzügen ist immer wieder Unmut zur schlechten Bedienbarkeit mit Handschuhen die Rede. Das lässt sich mit dem Pelagos nicht bestätigen. Die Lünette der Tudor Pelagos lässt sich hervorragend und griffig bedienen. Sie sind in Minutenschritten und nahezu ohne Spiel. Ein besonderes Schmankerl ist die Rastung bei der 12. In dieser Position geht es nur etwas schwerer, um ein versehentliches Verstellen zu erschweren.
Ein weiterer Kritikpunkt. Die Pelagos wartet mit Band-Erweiterungen auf, die Ihresgleichen suchen. 5,6cm herausholen - inklusive natürlich der Weite für die flexible Anpassung von ca. 5,6cm. 1,5 cm.
Die Ablesbarkeit
Mit einer in jeder Lebenslage hervorragenden Ablesbarkeit wird der Pelagos zusätzlich durch die weißen Zeiger vor dem blauen Hintergrund des Zifferblatts gesichert. In der Seitenansicht wirkt das Blatt unglaublich flach und läst sich mit einem flüchtigen Blick gut ablesen. Unter Wasser oder bei schlechten Lichtverhältnissen lässt sich die Zeit besonders gut erfassen. Leuchtperle der Lünette und Leuchtziffern vermögen in der Dunkelheit die Tauchzeit schnell zu ermitteln. Die großzügige Verwendung von Leuchtmasse auf Zeigern und Indexen tut ihr übriges. Besonders effektiv ist der weiße Sekundenzeiger als Funktionskontrolle. Die Pelagos zeigt damit deutlich.
Alltagstauglichkeit
Ihr Element ist das Wasser. Mit der Pelagos erhält man eine wunderbar durchdachte Toolwatch nach historischer Vorlage. Zumindest war die Gestaltung der Indexe und der Zeiger angeht. Sonst ist alles neu. Die Wasserdichtigkeit beträgt 500 Meter. Die pflegeleichte Sportuhr trägt sich sehr leicht und angenehm. Sie stört nicht am Arm und ist auch in keiner Weise sperrig.
Auf den Punkt gebracht:
Die Tudor Pelagos Blue ist eine Arbeitstier und eine kernige, markante Sportuhr für den Alltag und in dieser Farbgebung, wenn Zurückhaltung nicht ihr Ding ist. Mit ihr ist der Mann einfach an seine Situation und die Situation vorbeigehen, und die Tudor einfach anbehalten ohne einen Fauxpas zu begehen.
Sie ist eine sportliche Verbindung von neuester Technik mit einem kleinen Blick zurück in die Design-Schatzkiste im Hause Tudor. Geschätzte Artikel auf den frei werdenden Preiskategorien im Uhrenmarkt. Die erste Manufaktur von Taudor wird sicher zum Klassiker. Mit 31 erreichten Punkten, von 36 möglichen, hat sie das Zeug zum Leadermodell für Tudor. Einen ersten Erfolgsbeweis hat sie bereits erbracht und zum GRAND PRIX D'HORLOGERIE DE GENÈVE den 1. Preis für die beste Sportuhr 2015 erhalten und ist nur eine Alternative für etablierte Sportuhren anderer Luxusmarken.
Als die größten Konkurrenten würde ich die Superocean 2 von Breitling bezeichnen. Die SO2 liegt preislich mit 3.890 Euro, aber kein Titan, kein Zusatzarmband, keine Keramik und läuft ohne hauseigenes Werk.
Die populäre Omega Seamaster Planet Ocean spielt durch die Manufakturtiefe und ihre deutlich aufwendigen und technisch höheren Ausstattung bereits in einer anderen Liga. Pelagos in Aktion:
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